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Der Circle - Dave Eggers

"GEHEIMNISSE SIND LÜGEN
TEILEN IST HEILEN
ALLES PRIVATE IST DIEBSTAHL"
(S. 346) 

 

Inhalt



Mae ist unheimlich glücklich, da ihre beste Freundin Annie ihr einen Arbeitsplatz in dem beliebtesten Unternehmen der Welt - dem Circle - verschafft hat. Der Circle ist der weltweit führende Internetkonzern, der alle Internetaktivitäten eines Menschen auf einen einzigen Account konzentriert und somit durch den Wegfall der Anonymität zu einem freundlicheren digitalen Miteinander geführt hat. Endlich hat Mae eine anspruchsvolle Arbeitsstelle innerhalb eines Campus, der das Paradies auf Erden zu sein scheint. Für die Angestellten gibt es wirklich alles von vielfältigem Sterneessen über Fitnessangebote, Vorträge und Campuspartys sowie eine Versicherung. Als der Circle auch noch Maes Eltern krankenversichert und sich somit Maes größte Sorgen in Luft auflösen, wirkt Maes Leben perfekt. 

Doch der Circle legt bei seinen Angestellten nicht nur Wert auf gute Arbeit. Er setzt vor allem eine hohe Beteiligung im Netzwerk voraus. Mae muss lernen ihren Alltag zu dokumentieren, ihre Meinung kundzutun und sich die Wertungen des Circles anzugeignen. Doch schon bald lernt sie einen merkwürdigen Kollegen kennen, der sie in die knifflige Lage bringt entscheiden zu müssen, was für Geheimnisse sie für sich behalten muss.

 

Meine Meinung


Dave Eggers Roman "Der Circle" hat mich schon lange wegen seiner Thematik und dem Vergleich mit "1984" (, was ich zwar noch nicht gelesen habe, aber auf dem SuB liegt,) gereizt. Ich finde die Thematik der Internetkonzerne und die Überlegung, was passiert, wenn sie sich immer weiter in die bisherige Richtung entwickeln unheimlich spannend und etwas beängstigend.

Die Geschichte ist in sehr naher Zukunft angesiedelt und die Ideen, die der Circle in der Internetwelt anfangs im Buch schon umgesetzt hat sind gar nicht so weit entfernt von dem, wo sich Konzerne wie Google und Apple heute befinden. Die Grundidee, für alles nur einen Acoount haben zu müssen, entwickelt sich im Buch schnell weiter. Der Circle propagandiert Transparenz. Es geht darum möglichst viel mit der Community zu teilen und seine Meinung zu allem kundzutun, damit möglichst viele Daten gesammelt und zur Verfügung gestellt werden können. Jeder soll jederzeit wissen können was an einem beliebigen Fleck auf der Erde gerade passiert.

Die Protagonistin Mae muss sich erst in dieser Welt einfinden, wobei sie sich anfangs unbedarft anstellt. Doch schon bald findet sie Gefallen an der Idee der totalen Transparenz und beteiligt sich mit großem Eifer an der Weiterentwicklung des Gedankens. Anfangs kann sie sich noch nicht so recht in dieser Welt einordnen, doch durch viele Gespräche werden ihr die Wertungen des Circles nahegebracht. Mae übernimmt diese Werte unreflektiert und brennt schließlich selbst für die Idee. Ich mochte sie zu keinem Augenblick des Buches. Trotzdem war es interessant zu sehen, wie leicht Leute überzeugt werden können und es zu totalitären Systemen kommen kann.

Die Geschichte entwickelt sich insgesamt sehr langsam und etwas schleppend. Es wechseln sich Seiten über Maes Arbeit mit Gesprächen über ihre Partizipation am Circle und der Beziehung zu ihren Eltern und ihren Kollegen. Dabei wird das Ausmaß von Maes Lage und der Entwicklung des Circles häppchenweise aufgezeigt. Insgesamt ist dieses Buch dadurch definitiv kein Pageturner, es wird aber eine beklemmende Stimmung erzeugt. Für mich gab es auch keine großen Überraschungen, da ich die Auflösung eines Geheimnisses gegen Ende schon vorausgesehen hatte. Am besten haben mir noch die Szenen mit Kalden gefallen, da sie wie eine Störung des geregelten Ablaufs wirkten und Hoffnung auf eine andere Entwicklung des Buches machten.

Der Roman beschäftigt sich mit den Fragen der totalen Transparenz und Überwachung. Er beschreibt eindrucksvoll das Konzept des gläsernen Menschen und seiner Auswirkung, gerade auch auf die Politik. Es wird auch das Thema Basisdemokratie angeschnitten.

Insgesamt hat Dave Eggers Buch zwar seine Längen und auch die etwas platte Protagonistin Mae ist kein Grund dieses Buch zu lesen. Dennoch würde ich das Buch jedem empfehlen, der sich auch nur ansatzweise für die Thematik interessiert, denn sie ist zum einen brandaktuell und regt auch dazu an das eigene Verhalten im Internet zu überdenken. Trotz der teilweise etwas zähen Geschichte, ist sie mit ihrer beklemmenden Atmosphäre perfekt dafür, die Problematik richtig wirken zu lassen.




"Der Circle" von Dave Eggers
Übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus TimmermannOriginaltitel: The Circle
Verlag: Kiepenheuer & Witsch Verlag | Seiten: 560
Reihe: Luna Chroniken Band 1
ISBN: 978-3-462-04675-5

Kommentare:

  1. Tolle Kritik. So ähnlich habe ich das Buch auch empfunden. Eggers beschreibt die Mechanismen der Sozialen Netzwerke recht zutreffend. Zum Beispiel diesen Hunger nach Anerkennung, das Bedürfnis möglichst viele Likes und +1 einzusammeln. Die Sorge, was mit den persönlichen Daten passiert usw. Eggers entwickelt aus der heutigen Google / Facebook Welt eine interessante Dystopie, aber für meinen Geschmack ist das letztlich etwas zu theoretisch und zu abstrakt. Ein bisschen wie ein Gedankenexperiment.

    Bei den Figuren bin ich ganz deiner Meinung. Die haben mich auch relativ kalt gelassen. Mae ist sehr passiv, lässt sich von dem System komplett überrollen und wehrt sich nicht (richtig) dagegen. Ich glaube, das macht Eggers mit voller Absicht, es ist seine Form der System-Kritik.

    Aber so ganz funktioniert das für mich nicht. Ich brauche einfach Figuren aus Fleisch und Blut mit denen ich mitfiebern kann.

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    1. Danke für den Kommentar. :)
      Ja genau, das denke ich auch. Mae passt für Eggers perfekt ins Konzept, stört aber den Leser der gerne mit den Figuren mitfiebern will - wie uns.

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  2. Danke für Deine super Rezension! Das Buch steht auch schon lange auf meine Leseliste ... aber ich glaube, nun rutscht es doch ein klitze kleines bisschen weiter runter ... da ich zur Zeit nur abends zum Lesen komme, brauche ich einen Page Turner, sonst schlafe ich gleich ein ;-) ;-)

    Danke & LG
    Kati

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    1. ps. ich bin auch gleich als Leser geblieben ;-)

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    2. Hallo Katja!
      Das freut mich sehr, dass dir die Rezi hilft und bin super stolz dich als meine erste Leserin begrüfen zu können. Freue mich gerade wie verrückt darüber! :)

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