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Traumlieder I - George R.R. Martin | Traumlieder 1

Game of Thrones

Inhalt



Traumlieder I ist eine Sammlung verschiedener Kurzgeschichten, die Gorge R. R. Martins jungen Jahren entstammen. Es beinhaltet vor allem Geschichten aus dem Bereich Science Fiction, enthält aber auch einige andere Erzählungen. Die Geschichten sind nach ihrem Entstehungsdatum sortiert und in drei Schreibperioden aufgeteilt, sodass man die schriftstellerische Entwicklung Martins nachvollziehen kann. Den drei Teilen steht jeweils eine autobiografische Kommentierung vornan, der man entnehmen kann, wie die Kurzgeschichten entstanden sind.

 

Meine Meinung


"Ich wurde in Bayonne geboren und wuchs dort auf und kam nie aus der Stadt heraus, und meine liebsten Bücher und Geschichten waren die, die mich über die Hügel trugen und weit, weit weg, in unbekannte Länder, wo das Licht der fernen Sterne auf mich fiel." 
Zugegeben, hätte ich dieses Buch nicht aus lauter Neugier darauf, was George R. R. Martin denn noch abseits von "Das Lied von Eis und Feuer" so kann, beim Verlag angefragt (Vielen lieben Dank!), wäre es bestimmt etwas länger auf meinem SuB liegen geblieben. Erstens ist es nämlich mit seinen 540 Seiten ein ganz schön dicker Schinken und zweitens empfand ich die ersten Seiten als etwas abschreckend. Außerdem ist Science Fiction nicht unbedingt das Genre, in dem ich mich normalerweise bewege (mit Ausnahme von Dystopien) und ich war auch ein bisschen mit Vorurteilen behaftet.

Das von Gardner Dozois geschriebene Vorwort ist eine knappe Zusammenfassung über den schriftstellerischen Werdegang unseres Autors, worauf das erste Kapitel aus Gorge R. R. Martins Feder folgt, das wiederum mit seinen frühesten literarischen Zusammenkünften beginnt. Ich musste unwillkürlich auf eine spätere Seite blättern, um beruhigt festzustellen, dass dieses Buch nicht nur Abhandlungen über das Autorenleben beinhaltet.

Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt, die Martins Schreibperioden darstellen. Jeder Teil beinhaltet zunächst ein Kapitel, in dem er seinen Werdegang zu der betreffenden Zeit ausführt, worauf einige Kurzgeschichten aus dieser Zeit folgen. 

Wie schon gesagt, anfangs schreckte mich der (von mir nicht erwartete) autobiografische Teil ab, doch schon den ersten Abschnitt verschlang ich regelrecht. George R. R. Martins Werdegang als Autor mit seinen Aufs und Abs ist nicht nur interessant und berührend, sondern mit der kräftigen Prise Selbstironie, die Martin beim Schreiben einfließen ließ, richtig spaßig zu lesen. Ich musste an mehreren Stellen laut auflachen und war auch sehr beeindruckt von der Hartnäckigkeit, die er brauchte um der berühmte Autor zu werden, der uns heute allen ein Begriff ist. 

Die Kurzgeschichten beinhalten definitiv mehr, als uns die Amazonbeschreibung weismachen will. Dank ihr erwartete ich tatsächlich ein Buch, das nur Geschichten aus dem Genre Science Fiction und vielleicht noch etwas Fantasy enthält. Umso mehr konnten mich die verschiedenen Kurzgeschichten beeindrucken. Neben SF fand ich mich voller Staunen in einer historischen und mehreren politischen Erzählungen wieder, die nicht besser hätten umgesetzt sein können.

Während die erste Geschichte, eine Superhelden-Gruselerzählung, vor Dämonen, Dunkelheit, Schwärze und schauriger Stimmung nur so trieft, schickt uns Martin schon in der nächsten nach Finnland ins Jahr 1808. Vor allem gegen Ende des Buches häuft sich eine SF-Erzählung an die andere und alle haben dazu beigetragen, mir ein anderes Science Fiction zu zeigen. Es gibt nicht nur das mit Action überpackte, ansonsten aber oberflächliche SF gibt, das in meinen Vorstellungen existierte. George R. R. Martins Science Fiction ist vor allem tiefgründig.

Diese SF-Geschichten spielen zwar weit weg im All in weiter Zukunft, beschäftigen sich aber mit tiefsinnigen Themen, wie Einsamkeit, Alleinsein, bedingungsloser Liebe, dem Wert von Fantasie, Wissen und Religion. Mein Highlight war der gefühlvolle  "Abschied von Lya", wonach ich noch tagelang über die aufgeworfenen Fragen grübelte.
"Wir wissen, was für ein grausames Instrument die Wahrheit ist. Wir ziehen die Schönheit der Wahrheit tausendmal vor."
Der Schreibstil ist wie gewohnt gut, wobei Martin uns hier mehrere Facetten seines Könnens zeigt. Ein Teil der Geschichten profitiert primär von einer kunstvoll aufgebauter Atmosphäre mit vielen Beschreibungen, sodass man sich direkt an fremde Orte versetzt fühlt. Dagegen experimentiert er beispielsweise in "Tod war sein Vermächtnis" mit einer völlig anderen Erzählart, indem er in kurzen Abschnitten zwischen den Handlungssträngen zweier Männer hüpft, Wiederholungen einbaut und es schafft durch diese ganz andere Art Spannung aufzubauen.

Für mich ist dieses Werk eine einzigartige Sammlung voller Denkanstöße. Es bietet die Möglichkeit, George R. R. Martin besser kennen zu lernen und seine Gedankengänge verstehen zu können, ohne eine Biografie lesen zu müssen. Die Mischung aus kleinen humorvollen autobiografischen Teilen und den dazugehörigen melancholischen Kurzgeschichten hat mir unheimlich viel Spaß gemacht. Jede der Kurzgeschichten ist für sich sehr besonders und hat mich auf ihre Weise gepackt.

Dieses Buch ist meiner Meinung nach wirklich nicht nur für Science Fiction-Fans, sondern für jeden, der sich auch gerne mal mit tiefsinnigeren Fragen beschäftigt und sich auch in düsteren Büchern wohlfühlt. Es ist ein Buch, auf das man sich einlassen muss und bei dem man sich Zeit zum Nachdenken geben muss.

Da mich einige der Geschichten metaphorisch umgehauen haben, andere nur sehr gut, aber nicht ganz so gut wie meine Lieblinge, komme ich zu folgender Bewertung:


"Traumlieder: Volume 1" von George R.R. Martin
Übersetzt von Werner Fuchs, Maike Hallmann, Michael Fehrenschild, Bernd Rullkötter, Martin Eisele, Birgit Reß-Bohusch, Yoma Cap, Tony Westermayr, Michael Windgassen, Marcek Bieger, Wolfgang Eisermann | Dreamsongs Volume 1
Verlag: Heyne | Seiten: 540
Reihe: Traumlieder - Teil 1
ISBN: 978-3-453-316119

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